Mit „Brandung“ erschaffen Coltaine ein Album, das sich anfühlt wie ein langsames Abtauchen unter eine stürmische Wasseroberfläche. Die Band aus dem Schwarzwald verbindet auf ihrem neuen Werk melancholische Psychedelia-Doom mit cineastischen Post-Rock- und Post-Metal-Elementen zu einer Klangreise, die gleichermaßen schwer und tröstlich wirkt. Erscheint als CD auf Moment of Collapse Records.
Die zentrale Bildsprache des Albums ist das Meer: außen tobend und überwältigend, in der Tiefe jedoch ruhig und klar. Genau dieses Spannungsverhältnis prägt die neun Songs. Akustische Gitarrenflächen treiben wie Nebelschwaden durch die Stücke, ehe sie sich langsam in kraftvolle elektrische Passagen verwandeln. Dabei setzen Coltaine weniger auf abrupte Ausbrüche als auf fließende Übergänge und hypnotische Dynamik. Besonders prägend ist Julias Gesang, der sich mit großer Zerbrechlichkeit und emotionaler Intensität durch die Songs bewegt. Ihre Stimme wirkt nie aufdringlich, sondern wie ein weiterer Teil dieser weitläufigen Klanglandschaften – voller Sehnsucht, Melancholie und stiller Hoffnung. Gerade dadurch entfaltet "Brandung" eine bemerkenswerte emotionale Tiefe. Die Musik besitzt einen beinahe filmischen Charakter. Jeder Song wirkt wie eine eigene Insel aus Trauer, Erinnerung und innerer Suche. Trotz aller Schwere bleibt jedoch stets ein Gefühl von Schönheit und innerer Ruhe erhalten. Coltaine gelingt es, Überforderung und Rückzug, Sturm und Stille in eine fragile Balance zu bringen.