| Das neue Album des deutschen Krautrock / Elektronik-Pioniers DIETER MOEBIUS (CLUSTER, HARMONIA). Kram erscheint im Digipack-Format auf dem Label KLANGBAD.
Seit Anfang der siebziger Jahre hat DIETER MOEBIUS mit Gruppen wie CLUSTER, KLUSTER und HARMONIA die internationale Wahrnehmung elektronischer Musik aus Deutschland maßgeblich geprägt und war mit seinen Veröffentlichungen stilprägend an der Gestaltung dessen beteiligt, was wir heute unter repetitiver Elektronik verstehen. Dabei bildet der Krautrock lediglich einen Teilaspekt seines scheinbar unendlichen musikalischen Kosmos und seines künstlerischen Schaffens. Weitgehend unbeeindruckt vom musikalischen Trendgeschehen, muss sich MÖBIUS schon lange nichts mehr beweisen, und genau das merkt man seinem nun erscheinenden, brandneuen Album unüberhörbar an. Kram steht - wie alle seine Arbeiten - für Bewegung und Mobilität, evoziert das Gefühl des Unterwegsseins, jenes Gefühl von Weite und Endlosigkeit, das repetitive, sich langsam wandelnde Strukturen hervorrufen. Mit sanfter Dringlichkeit lädt MOEBIUS den Hörer ein, in dieses faszinierende psychedelische Vehikel voller magischer Sogkraft einzusteigen. Hier verschränken sich unwiderstehlich treibende Piano-Patterns, ungewöhnliche Sounds (ungeklärter Herkunft), elektronische Störmanöver, hypnotische Beats und zarte melodische Texturen in klarer arrangementtechnischer Sparsamkeit einträchtig ineinander, besitzen die zehn Kompositionen auf diesem Album einen stets miniaturhaften Charakter. Kram ist ein klangästhetisch zeitloses Werk.
Moebius generiert nach wie vor seltsam elektronische Klänge und navigiert sie hübsch an jedem Modetrend vorbei. Eclipsed (7 von 10 Punkten)
(. . . ) eine durch und durch überzeugende Weiterentwicklung des eigenen Kosmos.
De:Bug
� Anzeigen:
Rolling Stone (07 / 09),
Jazzthing (06-08 / 09)
� Im Podcast des Goethe-
Instituts in Kooperation
mit BR2 Zündfunk:
www. goethe. de / popcast
� Reviews: Spex (07-08 / 09), Eclipsed (07 / 09), Groove (07 / 09), De:Bug (07 / 09), Jazzthetik (07 / 09), Notes(07 / 09), Raveline (07 / 09), Notes (07 / 09), Westzeit (07 / 09), Tip Berlin (06 / 09), Stadt-Revue Köln(07 / 09), Neue Züricher (07 / 09), Skug Journal (07 / 09), The Gap (07 / 09), Blow Up (07 / 09), Rumore (07 / 09), Go Magazine (07 / 09), Rockdeluxe (07 / 09)
� Airplay: Deutschlandradio Kultur / Tonart, Deutschlandradio Kultur / Radiofeuilleton, BR 2 Zündfunk / Nachtmix, RBB Radio Eins / Oceanclub, RBB Radio Eins / Freistil, RBB Radio Eins / Elektrobeats, NDR Info, WDR Eins Live, SWR 2 / Dschungel, DLF / Corso, DLF / Rock-Zeit, RAI Radio 3
Krempel, Plunder, Ramsch, Geraffel, Zeugs. Begriffe aus dem Keller, vom Speicher und Kinderzimmerfußboden. Synonyme für einen Zustand, der zum Aufräumen auffordert. Wenn andererseits Dieter Moebius sein neues Album Kram nennt, dann ist das eher als ironische Selbstdespektierlichkeit zu verstehen. Seine Musik muss nicht aufgeräumt werden. Sie ist es schon. Wenn Moebius heutzutage auftritt, sieht er sich in der Regel einem gemischten Publikum gegenüber, das eine Altersspanne von etwa 35 Jahren abdeckt. Auf der einen Seite jene, die dabei waren, als Moebius in den frühen Siebzigern neben Bands wie Kraftwerk und Neu! Als Mitglied von Cluster und später Harmonia die moderne elektronische Musik anwarf. Am anderen Ende die jüngeren, nach 1975 Geborenen, aufgewachsen in einem musikalischen Alltag, der längst an elektronische Klänge gewöhnt war. Sie stehen vor dem hageren Mittsechziger und seinen kleinformatigen Geräten und wirken ebenso wohlgestimmt wie verblüfft: Aha. So sieht also eine lebende Legende aus. Und nichts anderes ist Dieter Moebius. Das Sich-selbst-treu-bleiben, eine eigentlich zweifelhafte Eigenschaft in der erweiterten Popmusik, die zumeist Stagnation bedeutet, wird bei Moebius zu Zeitlosigkeit in motion. Der Nostalgie-Verdacht ist ebenso absurd wie die Idee, Moebiuskönnte sich Elektrikern der jüngsten Generation anbiedern. Der Mann wirft halt einen langen Schatten; hier kann man hören, bei wem beispielsweise die Boards Of Canada oder auch Yello ihren Most holen. Kram ist Dieter Moebius' fünftes Soloalbum (in einer Gesamtdiskografie von neununddreißig). Torkelnd wie ein trunkener Mönch nach einem Residents-Konzert (oder einer anderen unchristlichen Veranstaltung) nimmt die Platte ihren Lauf. Moebius legt Strecken über Flächen und Hügel, zieht Wasserstraßen, Bahngleise und Vogelfluglinien unter wechselnde Licht verhältnisse. Technologisch generiertes Zeug, das sich anfühlt wie aus dem Boden gewachsen. Kraut. Klänge, die seit Anbeginn der Neuen Elektronischen Zeitrechnung existieren, weitergedacht und ausgebaut bis in die Gegenwart. Ein modernes, widersprüchliches kitschdichtes Utopia. Die Wechsel sind schnell und flüssig, die Rhytmik ist gerade und komplex, die Klarheit außerordentlich, der Gefahr des allzu gefälligen Fließens steht der Humor entgegen. Eine besonders feine Sorte Humor, die beständig im Hintergrund mitläuft (um nicht zu sagen: mitfließt). Nichts an Moebius' Musik tut erhaben und verlangt eitel nach Gehör. Wie ein Perpetuum mobile entwickelt sich ihre Kräfte scheinbar allein aus sich selbst. Sie ist. Es ist eine Wohltat, sie zu hören. (Rolf Jäger) |