Die Ballade vom preußischen Ikarus ist ein Gedicht und Lied des deutschen Liedermachers und Lyrikers Wolf Biermann. Er schrieb es im Sommer 1976 und stellte es am Ende des Kölner Konzerts erstmals vor.
Das Gedicht wurde 1978 im Sammelband Preußischer Ikarus veröffentlicht, etwa zwei Jahre nach Biermanns Ausbürgerung. Die erste Hälfte der Sammlung präsentiert die in der DDR geschriebenen Lieder und Gedichte, während die Verse des zweiten Teils seine neuen Erfahrungen in Westdeutschland widerspiegeln.
In der Mitte des Bandes finden sich kurze Essays, in denen er auf die Entstehung des Gedichts eingeht. Im zweiten dieser „Vorworte“ fragt Biermann, warum Ikarus „so viel berühmter als sein Vater“ Daedalus sei, „der es doch geschafft hat. “ Immerhin habe er den wunderbaren Einfall gehabt, „mit den künstlichen Flügeln [. . . ] aus Adlerfedern und Bienenwachs“ der Gefangenschaft auf Kreta zu entkommen und nicht im Meer zu ertrinken. Der kluge Vater flog eben „nicht zu tief am Wasser, nicht zu hoch an der Sonne“ und habe so entkommen können. Wie Biermann weiter schreibt, ergriff ihn die „ganze Furcht vor einem Absturz [. . . ] eines schlimmen Tages“. Sollte er im Westen leben müssen, würde er keine Zeile mehr schreiben können.