Mit „Heilige Scheiße“ liefern Paula Paula ein Album ab, das gleichzeitig zärtlich, wütend, verspielt und politisch ist. Frontfrau Marlène Colle bündelt auf dem zweiten Werk der Band all das, was die Gegenwart so erschöpfend und widersprüchlich macht: feministische Kämpfe, gesellschaftliche Überforderung, queere Liebe, Angst, Altern und die verzweifelte Sehnsucht nach Menschlichkeit. Erscheint als CD und Vinyl-LP auf Listenrecords. Musikalisch verweigert sich das Album jeder klaren Schublade. Zarte Balladen stehen neben synthielastigen Darkpop-Hymnen, politisches Liedgut trifft auf schrägen Indiepop. Trotzdem wirkt "Heilige Scheiße" erstaunlich geschlossen – nicht zuletzt durch die hervorragenden Arrangements der hochkarätigen Mitwirkenden um Kristina Koropecki, Daniel Freitag und Gisbert zu Knyphausen. Inhaltlich trifft das Album mit bemerkenswerter Direktheit. „Bald“ entwirft eine feministische Revolution zwischen Hoffnung und Abrechnung, während „4&fck40“ den Schönheitswahn sozialer Medien mit bitterem Humor zerlegt. „Wolfgang Wunderlich“ gehört zu den emotionalsten Momenten der Platte: ein leises, melancholisches Lied über Nähe nach dem Tod, getragen von eindringlichen Celloarrangements. Doch Paula Paulaverlieren sich nie in Schwere. Selbst Songs über Trennung, mentale Überforderung oder innere Dämonen behalten einen warmen, versöhnlichen Kern. Die Texte schlagen zu, strecken aber gleichzeitig die Hand aus. Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Albums: Es verbindet politische Klarheit mit radikaler Empathie.
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