Matze Rossi wagt sich auf "Ich Sitz Schon Wieder Mit Doc Martens Am Klavier" auf ungewohntes Terrain und legt erstmals ein Album vor, das vollständig auf Klavier und Stimme reduziert ist. Was zunächst nach einem radikalen Bruch mit seiner Punkrock-Vergangenheit klingt, erweist sich vielmehr als deren intime Weitererzählung: Melancholie, Verletzlichkeit und die unbedingte Liebe zum Song stehen hier im Mittelpunkt. Erscheint als CD und Vinyl-LP auf Dancing in the Dark.
Rossi nimmt Lieder aus seiner Solozeit ebenso neu unter die Lupe wie alte Stücke von seiner alten Band Tagtraum. Durch die Reduktion erhalten sie eine neue Perspektive. Manche wirken fragiler, andere gewinnen gerade durch die Beschränkung an Kraft. Zwischen vorsichtigen Anschlägen und emotional aufgeladenen Passagen entsteht eine unmittelbare Nähe, die kaum Distanz zwischen Musiker und Zuhörer zulässt. Aufgenommen in seiner Studio-Scheune, verzichtet das Album bewusst auf großes Produktionsbesteck: Klavier, Stimme und Song müssen genügen. Der Titel ist dabei eine augenzwinkernde Verbeugung vor Danger Dan und dessen "Mit Doc Martens am Klavier", während die Gestaltung mit ihrer Hommage an Keith Jarretts "The Köln Concert" eine weitere Referenz setzt. Punkrock, Klaviermusik und Melancholie finden so überraschend selbstverständlich zusammen. "Ich sitz schon wieder mit Doc Martens am Klavier" ist kein Versuch, aus Matze Rossi einen klassischen Pianisten zu machen. Es ist ein persönliches Experiment über Veränderung, Erinnerung und die Erkenntnis, dass gute Songs auch dann funktionieren, wenn man ihnen alles Überflüssige nimmt.