Mit Missing Times legen Ghost Rhythms bereits ihr neuntes Album vor – und bleiben ihrem Ruf als ebenso ambitioniertes wie zugängliches Jazzensemble treu. Das neunköpfige Kollektiv aus Paris verbindet elektrischen Jazz mit Progressive Rock, Weltmusik und avantgardistischen Klangideen. Im Zentrum stehen verschachtelte Rhythmen, markante Basslinien, expressive Harmoniewechsel und eine geradezu schwindelerregende Lust an ungeraden Taktarten. Erscheint als CD auf Cuneiform.
Inhaltlich kreist das überwiegend instrumentale Konzeptalbum um das Phänomen der „Missing Time“-Erfahrungen vermeintlicher UFO-Entführungsopfer. Doch statt sich in Science-Fiction-Mythologie zu verlieren, interessieren sich Ghost Rhythms für die menschlichen Fragen dahinter: Erinnerung, Wahrnehmung, Abwesenheit und unser Verhältnis zur Zeit. Diese Offenheit spiegelt sich unmittelbar in der Musik, deren Strukturen ständig in Bewegung bleiben. Drummer Xavier Gelard und Pianist Camille Petit führen das Ensemble durch ein dichtes Geflecht aus ineinandergreifenden Grooves, Riffs und weit ausschwingenden Melodien. Einflüsse von Claudia Quintet und The Bad Plus treffen auf die rhythmische Experimentierfreude von Soft Machine und Magma. Trotz aller kompositorischen Raffinesse bleibt Missing Times erstaunlich unmittelbar: komplex genug für konzentriertes Hören, zugleich voller Hooks, Energie und überraschender Wendungen. Ein intelligentes, neugieriges Jazzalbum, das Grenzen nicht erklärt, sondern einfach überschreitet.